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Der leise Luxus - eine bessere Raumakustik durch Einrichtung und Design

Umage - Clava Up Wood Leuchtenschirm

Ein stilvoll eingerichteter Raum ist ein Fest für die Augen. Doch was ist mit dem Ohr? In Zeiten von offenen Grundrissen, hohen Räumen, viel Glas und glatten Oberflächen wird ein Aspekt oft übersehen: die Raumakustik. Ob Gespräche, Musik oder Stille - wie wir Klang im Raum erleben, bestimmt maßgeblich die Wohnqualität. Eine Qualität, die bereits beim Produktdesign beginnt.

Atmosphäre entsteht aus Licht, Akustik und Haptik

Wir haben mit Produkt-Designerin Gesa Hansen über die Rolle der Akustik im Designprozess gesprochen - und über die Möglichkeiten, eine klangvolle Atmosphäre zu schaffen.

Gesa Hansen Portrait rund

Über Gesa Hansen

Gesa Hansen ist eine vielfach prämierte, deutsch-dänische Designerin – bekannt für elegante Wohnkonzepte mit sensibler Materialwahl. Nach ihrem Studium am Bauhaus Weimar und in Japan und weiteren Stationen in Paris gründete sie 2009 The Hansen Family – ein Label für handgefertigte Möbel, die ihre klare skandinavisch-japanische Handschrift tragen. Gesa gestaltet Interiors weltweit und berät renommierte Marken in Fragen des Designs und der Raumwirkung.

Lesetipp: Homestory: zu Besuch bei Designerin Gesa Hansen

Hübsch Interior - Futu Beistelltisch

Gesa Hansen denkt Räume konsequent ganzheitlich. Für sie beginnt gutes Interior-Design nicht mit Farbe oder Form, sondern mit Atmosphäre - und die entsteht aus Licht, Akustik und Haptik.

„Ich kenne viele Privatwohnungen, die akustisch unangenehm sind“, erzählt sie. „Licht, Akustik und Haptik müssen harmonieren, damit man sich wohlfühlt. Wir fangen bei der Raumgestaltung sogar mit Akustik und Lichtstimmung an, bevor wir dann zu den Materialien übergehen.“

Es gibt unterschiedliche Wege, die Akustik im Raum bewusst zu gestalten - ob zu Beginn der Raumgestaltung oder nachträglich. Statt technischer Lösungen genügt schon ein Gespür für Auswahl und Arrangement der Objekte und Materialien.

Hausmittel Nr. 1: Textilien

Kaum ein Gestaltungselement verbessert die Raumakustik so effektiv und elegant wie Textilien. Dazu gehören:

  • Teppiche mit hohem Flor
  • dichte Vorhänge aus Baumwolle oder Samt
  • großzügige Polstermöbel

Sie dämpfen Schallwellen und sorgen für ein weiches Klangbild.

Røros Tweed - Fri Wolldecke

Auch dekorative Elemente wie Kissen, Plaids oder textilbespannte Wandbilder entfalten eine überraschend große Wirkung, vor allem, wenn verschiedene Materialien und Texturen kombiniert werden. Je mehr Vielfalt, desto besser wird der Schall gebrochen.

Strategisch möblieren, aber ausgewogen

Die Raumaufteilung spielt eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der Akustik: Große, leere Flächen reflektieren Schall stark. Hier helfen Möbel mit Masse und Struktur.

  • Bücherregale mit offenen Fächern wirken als natürliche Schall-Diffusoren
  • Gepolsterte Sitzmöbel mit hoher Rückenlehne oder überzogene Bänke an der Wand absorbieren störende Geräusche.
  • Raumteiler, Pflanzen und Paravents gliedern den Raum optisch und wirken gleichzeitig als akustische Puffer.

Hübsch Interior - Heritage Regal

Dabei kommt es auf die Balance an. Gesa Hansen rät: „Man sollte mit Kontrasten arbeiten: kalt und warm, hart und weich. So entsteht ein ausgewogenes Raumgefühl.“

Das akustische Potenzial von Wänden und Decken

Wer den Klang im Raum verbessern möchte, sollte auch vertikale Flächen mit einbeziehen. Wände und Decken haben großes Potenzial, die Raumakustik positiv zu beeinflussen.

Ferm Living - Harvest Wandteppich Jute | 50 x 100 cm

Akustikpaneele aus Holzlamellen oder Filz gibt es heute in hochwertigem, wohnlichem Design. Sie vereinen Funktion mit ästhetischer Wirkung und eignen sich besonders für große Wandflächen oder Treppenhäuser.

Inspiration aus Frankreich: Toile tendue

Gesa Hansen erzählt von einer Technik, die in Frankreich verbreitet ist: Ganze Wände werden mit Stoff bezogen. Der Untergrund ist leicht wattiert, darüber wird der Stoff gespannt, der den Schall absorbiert. Diese Technik heißt „Toile tendue“.

Weniger radikal, aber wirkungsvoll

Eine Freundin von Gesa Hansen bezog nach dem Kauf ihres Hauses die Wände eines Zimmers komplett mit Stoff. Die Wirkung war beeindruckend: Der ganze Raum wirkt jetzt weich und warm. „In Deutschland ist man ein bisschen minimalistischer unterwegs. Weniger radikale Alternativen gibt es aber auch hier.“

HAY - Paper Shade Lampenschirm | Ø 80 cm

Eine kreative, aber effektive Lösung sind Deckenleuchten mit textilen Schirmen oder Holzdetails, die den Schall dämpfen. Besonders in hohen Räumen kann die Kombination aus akustisch wirksamer Deckenleuchte und textilen Wandflächen - etwa stoffbezogene Wandbilder oder Wandteppiche - wahre Wunder wirken.

Natürliche Materialien punkten auch akustisch

Holz, Wolle, Kork, Leinen - sie alle sind von Natur aus schallabsorbierend. In Kombination erzeugen sie eine angenehme, organische Klanglandschaft. „Ich achte bei meinen Entwürfen besonders auf Materialien, die leben und altern können“, erklärt Gesa. „Denn sie entwickeln eine Patina und sind über Jahre beständig - und haben oft eine bessere Haptik und Akustik.“

HKliving - Handgewebter Teppich Baumwolle

Natürlichkeit ist nicht nur ein visuelles Statement, sondern auch ein akustisches: Je unversiegelter und strukturierter eine Oberfläche ist, desto mehr Klang wird aufgenommen statt reflektiert.

Design, das man hört

Multisensorische Überlegungen spielen nicht erst bei der Raumgestaltung eine Rolle. Akustik ist ein integraler Bestandteil des Designprozesses.

„Es ist wie in der Autoindustrie: Was für einen Sound macht die Autotür, wenn man sie schließt? Dieselbe Frage stellt sich auch bei Möbeln. Über die Materialien, über die Schubladen, die Art der Bremsen, die Art, wie die Schubladen schließen - es gibt bereits beim Design eines Produktes verschiedene Möglichkeiten, auf die Geräusche, die es verursacht, einzuwirken“, erzählt Gesa.

„Dabei geht es nicht nur darum, Lärm zu reduzieren, sondern auch darum, wie ein Raum klingt, wenn man sich darin bewegt, spricht oder ein Produkt nutzt. Aktuell gestalte ich eine Bar in Paris - da frage ich mich, wie es sich anhört, wenn jemand ein Glas abstellt. Mit doppelten Holzböden kann man zum Beispiel einen anderen Ton erzeugen.“

Zuiver - Noble Couchtisch

Das Geräusch einer schließenden Tür, das satte Poltern eines Buches auf einem Holztisch oder das sanfte Klingen einer Perlmutt-Leuchte in der Brise: All diese Details können bewusst gestaltet werden. Gutes Design beginnt im Kleinen - und wirkt doch ganzheitlich.

Eine neue Ebene der Wohnqualität

Ein gut klingender Raum wirkt oft erst im Vergleich. Wer einmal in einem akustisch angenehmen Wohnzimmer war, wird den Unterschied sofort spüren - mehr Ruhe, mehr Tiefe, mehr Atmosphäre. Ein angenehmer Klang ist mehr als Luxus, er ist ein Ausdruck eines tiefen Verständnisses von Wohnqualität. Wer textile Elemente, strukturierte Oberflächen und natürliche Materialien gezielt einsetzt, schafft nicht nur optische Wohnlichkeit - er gestaltet Atmosphäre.

Also: Mach dein Zuhause spürbar. Und hörbar.